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Sachkunde & Wissen · Fachbeiträge
Kältetechnik

Dichtheitsprüfung und Lecksuche: Warum Druck halten allein nicht reicht

Nach Montage- oder Reparaturarbeiten muss ein Kältemittelkreislauf dicht sein. In der Praxis werden dabei zwei Aufgaben häufig miteinander vermischt:

6 Minuten Lesezeit Stand 08/2026

Dichtheitsprüfung und Lecksuche sind nicht dasselbe

Bei einer Dichtheitsprüfung wird ein festgelegter Bereich des Kältemittelkreislaufs mit einem geeigneten Prüfgas beaufschlagt. Anschließend wird beurteilt, ob sich der Zustand plausibel verhält.

Die Lecksuche geht einen Schritt weiter. Sie soll eine undichte Stelle tatsächlich lokalisieren.

Typische Prüfstellen sind beispielsweise:

  • Bördelverbindungen
  • Lötverbindungen
  • Serviceanschlüsse
  • Ventile und Ventilkappen
  • Verschraubungen
  • Verdichteranschlüsse
  • Rohrdurchführungen
  • Wärmeübertrageranschlüsse
  • nach einer Reparatur neu hergestellte Verbindungen

Eine Druckbeobachtung findet eine undichte Stelle nicht. Sie zeigt höchstens, dass ein weiterer Prüfbedarf besteht.

Warum sich der Prüfdruck trotz dichter Anlage verändern kann

Wird ein geschlossener Kreislauf mit Gas beaufschlagt, hängt der Gasdruck von der Temperatur ab.

Erwärmt sich das Gas, steigt der Druck. Kühlt es ab, sinkt der Druck.

Das wird bei einer größeren Anlage schnell relevant. Ein Teil kann in der Sonne stehen, ein anderer im Gebäude. Rohrleitungen, Wärmeübertrager und Verdichtergehäuse nehmen unterschiedliche Temperaturen an.

Damit kann sich der am Manometer abgelesene Druck verändern, obwohl kein Gas ausgetreten ist. Umgekehrt kann eine Erwärmung einen kleinen Gasverlust teilweise überdecken.

Deshalb gilt:

Druckänderungen dürfen nur zusammen mit den Temperaturbedingungen bewertet werden.

Praxisbeispiel: Druckabfall nach einer Wartezeit

Eine Anlage wird mit geeignetem Prüfgas beaufschlagt. Nach einiger Zeit zeigt das Manometer einen geringeren Druck.

Die schnelle Schlussfolgerung lautet häufig: „Die Anlage ist undicht.“

Das kann stimmen. Es ist aber noch keine belastbare Diagnose.

Zuerst ist zu prüfen:

  1. Hat sich die Temperatur des Prüfgases beziehungsweise der Anlage verändert?
  2. Wurde dasselbe Messgerät verwendet?
  3. Ist die Verbindung zwischen Prüfgerät und Anlage selbst dicht?
  4. Sind Schläuche, Adapter und Serviceanschlüsse als Fehlerquelle ausgeschlossen?
  5. Gibt es an einer Verbindung einen direkt nachweisbaren Gasaustritt?

Erst danach lässt sich die Druckänderung sinnvoll bewerten.

Wo wird das Prüfgerät angeschlossen?

Das Prüfgerät wird an einem dafür vorgesehenen Zugang des zu prüfenden Kreislaufabschnitts angeschlossen. Das kann beispielsweise ein Serviceanschluss auf der Hoch- oder Niederdruckseite sein.

Wichtig ist nicht, an welcher „typischen“ Stelle grundsätzlich angeschlossen wird, sondern:

Der Anschluss muss den Bereich tatsächlich erfassen, der geprüft werden soll.

Bei Anlagen mit Magnetventilen, Rückschlagventilen, Absperrungen oder anderen Bauteilen können einzelne Bereiche voneinander getrennt sein.

Vor der Prüfung muss deshalb klar sein:

  • Welche Bauteile stehen miteinander in Verbindung?
  • Welche Ventile müssen für die Prüfung geöffnet oder geschlossen sein?
  • Welcher maximal zulässige Druck gilt für den geprüften Abschnitt?
  • Welche Herstellervorgaben gelten?

Ein universeller Prüfdruck für alle Kälte-, Klima- und Wärmepumpenanlagen existiert nicht.

Prüfdruck kontrolliert aufbauen

Für die Druckbeaufschlagung wird ein geeignetes trockenes Prüfgas verwendet. In der Kältetechnik ist trockener Stickstoff ein übliches Prüfgas.

Der Druck wird kontrolliert aufgebaut. Dabei sind insbesondere zu beachten:

  • geeigneter Druckminderer
  • geeignete Schläuche und Armaturen
  • zulässiger Druck der Anlage und der angeschlossenen Messmittel
  • Herstellerangaben
  • sichere Arbeitsweise

Der Prüfdruck darf nicht nach Gefühl gewählt werden.

Entscheidend ist immer der für die konkrete Anlage beziehungsweise den geprüften Bereich zulässige Wert.

Wo wird nach Leckagen gesucht?

Eine Lecksuche beginnt nicht irgendwo am Rohr. Zuerst werden die Stellen geprüft, an denen Undichtigkeiten technisch wahrscheinlicher sind.

Dazu gehören insbesondere:

  • neu hergestellte Verbindungen
  • lösbare Verbindungen
  • Serviceanschlüsse
  • Ventile
  • Bereiche mit mechanischer Belastung oder Vibration
  • reparierte Stellen
  • auffällige ölfeuchte Stellen

Je nach Kältemittel und Prüfverfahren kommen dafür geeignete Lecksuchmittel beziehungsweise elektronische Lecksuchgeräte zum Einsatz.

Das verwendete Verfahren muss zum Prüfgas beziehungsweise zum Kältemittel passen.

Lecksuchspray: direkt an der Verbindung prüfen

Bei einem geeigneten schaumbildenden Lecksuchmittel wird die zu prüfende Verbindung vollständig benetzt.

Entstehen reproduzierbar Blasen, deutet das auf austretendes Gas hin.

Wichtig ist:

  • nicht nur einen kleinen Teil der Verbindung benetzen
  • genügend Beobachtungszeit geben
  • Luftbewegung berücksichtigen
  • nach der Prüfung Rückstände entsprechend den Vorgaben entfernen
  • eine vermeintliche Blasenbildung nicht mit Schaum aus dem Auftragen verwechseln

Bei sehr kleinen Leckagen kann zusätzlich ein geeignetes elektronisches Verfahren sinnvoll sein.

Elektronische Lecksuche: langsam und nahe an der möglichen Austrittsstelle

Ein elektronisches Lecksuchgerät misst nicht „die gesamte Anlage auf einmal“.

Der Sensor wird an den möglichen Leckstellen entlanggeführt.

Für eine brauchbare Messung sind unter anderem wichtig:

  • Gerät für das betreffende Gas beziehungsweise Kältemittel geeignet
  • Funktionskontrolle vor Beginn
  • Sensor nahe an der möglichen Austrittsstelle
  • langsame Bewegung
  • Wind und starke Luftströmungen vermeiden
  • auffällige Stelle erneut prüfen

Gerade im Freien kann Wind austretendes Gas so schnell verdünnen, dass die Ortung erschwert wird.

Die Prüfausrüstung selbst kann die Ursache sein

Ein häufiger Praxisfehler ist, bei fallendem Druck sofort die Anlage zu verdächtigen.

Auch die Messkette muss dicht sein.

Zu prüfen sind beispielsweise:

  • Schlauchanschlüsse
  • Kupplungen
  • Ventile der Monteurhilfe
  • Druckminderer
  • Adapter
  • Serviceanschlüsse

Ist die Messkette undicht, kann ein Druckverlust entstehen, obwohl der eigentliche Kältemittelkreislauf dicht ist.

Eine Vakuumbeobachtung ersetzt die Druckprüfung nicht

Nach einer erfolgreichen Druck- und Dichtheitsprüfung wird der Kältemittelkreislauf üblicherweise evakuiert.

Auch dabei lässt sich beobachten, ob ein Vakuum stabil bleibt.

Eine Vakuumbeobachtung kann zusätzliche Hinweise geben. Sie ersetzt jedoch nicht die vorherige Prüfung unter den für die Anlage vorgesehenen Bedingungen.

Außerdem lässt sich aus einem Vakuumanstieg nicht automatisch eine Leckage ableiten. Auch Restfeuchtigkeit und Ausgasung können den Druck im Vakuum verändern.

Druckprüfung, Lecksuche und Vakuumtrocknung erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Nach einer Reparatur erneut prüfen

Wurde eine undichte Verbindung gefunden und repariert, endet die Arbeit nicht mit der Reparatur.

Der bearbeitete Bereich muss anschließend erneut geprüft werden.

Die grundsätzliche Reihenfolge lautet:

  1. Ursache lokalisieren
  2. Anlage beziehungsweise betroffenen Bereich sicher drucklos machen
  3. Verbindung fachgerecht reparieren
  4. erneut mit geeignetem Prüfgas prüfen
  5. Lecksuche an der reparierten Stelle durchführen
  6. Prüfgas entfernen
  7. Anlage evakuieren und trocknen
  8. nach Herstellervorgabe befüllen
  9. im Betrieb abschließend kontrollieren

Typische Fehlannahmen

„Der Druck ist nach einer Stunde gleich. Also ist die Anlage dicht.“

Nicht zwingend. Ein stabiler Druck ist positiv, ersetzt aber keine gezielte Prüfung kritischer Verbindungen.

„Der Druck ist gefallen. Also muss ein Leck vorhanden sein.“

Nicht zwingend. Temperaturänderungen und Undichtigkeiten der Messausrüstung müssen ausgeschlossen werden.

„Ich prüfe nur die neue Lötstelle.“

Zu wenig. Auch Serviceanschlüsse, Ventile und andere während der Arbeit beanspruchte Verbindungen können relevant sein.

„Im Vakuum bleibt der Druck stabil. Damit brauche ich keine Dichtheitsprüfung.“

Nein. Vakuumprüfung und Dichtheitsprüfung sind unterschiedliche Arbeitsschritte.

Kurz zusammengefasst

  • Dichtheitsprüfung und Lecksuche sind zwei unterschiedliche Aufgaben.
  • Ein Druckwert allein lokalisiert keine Undichtigkeit.
  • Gasdruck verändert sich mit der Temperatur.
  • Kleine Druckänderungen müssen deshalb zusammen mit den Temperaturbedingungen bewertet werden.
  • Die Prüfausrüstung selbst muss dicht sein.
  • Der Prüfdruck richtet sich nach Anlage, Bauteilen und Herstellervorgaben.
  • Eine Lecksuche konzentriert sich auf Verbindungen und andere mögliche Austrittsstellen.
  • Elektronische Lecksuchgeräte müssen zum Gas beziehungsweise Kältemittel passen.
  • Wind und Luftbewegungen können die elektronische Lecksuche erschweren.
  • Eine Vakuumbeobachtung ersetzt die Druck- und Leckprüfung nicht.
  • Nach jeder Reparatur muss die bearbeitete Stelle erneut geprüft werden.
Informationsstand 08/2026