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Sachkunde & Wissen · Fachbeiträge
Servicepraxis

Kältemittel absaugen und zurückgewinnen: So wird der Kreislauf sicher geleert

Muss ein Kältemittelkreislauf geöffnet werden, darf das enthaltene Kältemittel nicht einfach mit der Vakuumpumpe entfernt werden. Für diesen Arbeitsschritt wird das Kältemittel abgesaugt beziehungsweise zurückgewonnen. Dabei wird es aus der Anlage entnommen und in einen dafür geeigneten Rückgewinnungsbehälter überführt. Das Ziel ist ein anderer als beim Evakuieren:

6 Minuten Lesezeit Stand 08/2026

Absaugen, Rückgewinnen und Evakuieren unterscheiden

Beim Absaugen beziehungsweise Rückgewinnen wird flüssiges und dampfförmiges Kältemittel aus dem Kreislauf entfernt.

Ein Rückgewinnungsgerät verdichtet das entnommene Kältemittel und fördert es in einen geeigneten Behälter.

Eine Vakuumpumpe ist dafür nicht vorgesehen. Sie dient nach dem Entfernen des Kältemittels dazu, Luft und Wasserdampf aus dem Kreislauf zu entfernen.

Deshalb gilt die Reihenfolge:

  1. Kältemittel zurückgewinnen.
  2. Kreislauf für die vorgesehene Arbeit vorbereiten.
  3. Reparatur durchführen.
  4. Dichtheitsprüfung abschließen.
  5. Prüfgas entfernen.
  6. Evakuieren und trocknen.
  7. Nach Herstellervorgabe befüllen.

Wann muss Kältemittel zurückgewonnen werden?

Typische Situationen sind:

  • Öffnen des Kältemittelkreislaufs
  • Austausch eines Verdichters
  • Austausch eines Wärmeübertragers
  • Austausch eines Ventils oder Filtertrockners
  • Reparatur einer Rohrleitung
  • Stilllegung einer Anlage
  • Umlagerung der Füllung bei Servicearbeiten

Nicht immer muss die gesamte Anlagenfüllung in einen externen Behälter überführt werden. Bei geeigneten Anlagen kann Kältemittel in einen vorgesehenen Anlagenbereich verlagert werden.

Ob das möglich und zulässig ist, hängt vom Anlagenaufbau und von den Herstellerangaben ab.

Pump-down oder externe Rückgewinnung?

Beim Pump-down nutzt die Anlage ihren eigenen Verdichter, um Kältemittel in einen vorgesehenen Bereich der Hochdruckseite zu verlagern.

Bei der externen Rückgewinnung wird ein Rückgewinnungsgerät eingesetzt und das Kältemittel in einen externen Behälter gefördert.

Das sind zwei unterschiedliche Verfahren.

Pump-down kann den Service erleichtern, wenn die Anlage dafür ausgelegt ist. Es ersetzt jedoch nicht grundsätzlich die externe Rückgewinnung.

Für Arbeiten an Bauteilen, die nicht sicher vom gespeicherten Kältemittel getrennt werden können, muss das Kältemittel aus dem betreffenden Bereich entfernt werden.

Vor Arbeitsbeginn: Kältemittel eindeutig feststellen

Vor dem Anschließen eines Rückgewinnungsgeräts muss feststehen:

  • welches Kältemittel enthalten ist
  • welche Füllmenge ungefähr zu erwarten ist
  • welche Sicherheitsklasse vorliegt
  • ob Verunreinigungen oder ein Verdichterschaden zu erwarten sind
  • welche Serviceanschlüsse vorhanden sind

Das ist auch für den Rückgewinnungsbehälter wichtig.

Unterschiedliche Kältemittel dürfen nicht unkontrolliert miteinander vermischt werden.

Rückgewinnungsbehälter prüfen

Der Behälter muss für die vorgesehene Verwendung und das betreffende Kältemittel geeignet sein.

Vor der Arbeit ist zu prüfen:

  • eindeutige Kennzeichnung
  • zulässiger Zustand des Behälters
  • Ventile und Anschlüsse
  • vorhandene Restfüllung
  • ausreichendes freies Aufnahmevermögen

Ein Rückgewinnungsbehälter darf nicht vollständig mit Flüssigkeit gefüllt werden.

Flüssiges Kältemittel dehnt sich bei Erwärmung aus. Fehlt ein ausreichender Gasraum, kann der Druck im eingeschlossenen Flüssigkeitsvolumen sehr stark ansteigen.

Die zulässige Füllmasse richtet sich nach Behälter, Kältemittel und den dafür geltenden Vorgaben.

Behälter während der Rückgewinnung wiegen

Die Waage ist auch bei der Rückgewinnung ein wichtiges Messmittel.

Damit lässt sich kontrollieren:

  • wie viel Kältemittel aufgenommen wurde
  • ob sich der Behälter seiner zulässigen Füllmenge nähert
  • ob die zurückgewonnene Masse zur erwarteten Anlagenfüllung passt

Die Waage ersetzt nicht die zulässige Behälterkennzeichnung. Beide Angaben müssen zusammen betrachtet werden.

Wo wird das Rückgewinnungsgerät angeschlossen?

Das hängt von Anlage und Gerät ab.

Grundsätzlich wird das Rückgewinnungsgerät über geeignete Serviceanschlüsse mit dem zu leerenden Anlagenbereich verbunden.

Bei größeren Füllmengen ist die Rückgewinnung aus der Flüssigkeitsseite deutlich schneller als ausschließlich aus der Dampfphase.

Je nach Anlagenaufbau können Hoch- und Niederdruckseite gemeinsam oder nacheinander entleert werden.

Entscheidend ist:

Der gewählte Anschluss muss den Bereich erfassen, der tatsächlich geöffnet werden soll.

Magnetventile, Rückschlagventile, Absperrventile und andere Bauteile können Teilbereiche voneinander trennen.

Flüssigkeit zuerst, Dampf danach

Solange flüssiges Kältemittel vorhanden ist, enthält die Anlage einen großen Teil ihrer Masse in relativ kleinem Volumen.

Wird diese Flüssigkeit kontrolliert zurückgewonnen, lässt sich die Entleerung beschleunigen.

Anschließend verbleibt Kältemitteldampf im System.

Dieser wird weiter abgesaugt, bis der für das verwendete Verfahren vorgesehene Endzustand erreicht ist.

Die genaue Vorgehensweise richtet sich nach:

  • Rückgewinnungsgerät
  • Anlagenbauart
  • Kältemittel
  • Herstellerangaben
  • Sicherheitsklasse

Warum der Druck nach dem Abschalten wieder steigen kann

Nach dem Absaugen kann der Druck zunächst niedrig erscheinen.

Wird das Rückgewinnungsgerät abgeschaltet, kann der Druck in der Anlage wieder steigen.

Mögliche Ursachen sind:

  • noch vorhandenes flüssiges Kältemittel verdampft
  • Kältemittel tritt aus Öl aus
  • kalte Anlagenteile erwärmen sich
  • Kältemittel aus schwer erreichbaren Bereichen gleicht sich aus

Deshalb ist ein einmal erreichter niedriger Druck nicht automatisch der Beweis, dass kein Kältemittel mehr vorhanden ist.

Der Druck muss nach einer Ausgleichszeit erneut beurteilt werden.

Kältemittel im Öl nicht vergessen

Kältemittel kann im Kältemaschinenöl gelöst sein.

Mit sinkendem Druck tritt ein Teil davon wieder aus dem Öl aus.

Das erklärt, warum nach einer zunächst erfolgreichen Rückgewinnung erneut Druck entstehen kann.

Besonders bei Arbeiten am Verdichter ist dieser Zusammenhang wichtig.

Ein scheinbar druckloses Verdichtergehäuse kann noch Kältemittel enthalten beziehungsweise freisetzen.

Warum die Vakuumpumpe kein Absauggerät ist

Eine Vakuumpumpe ist für Luft und Wasserdampf vorgesehen.

Wird eine größere Kältemittelmenge durch die Vakuumpumpe gefördert, können unter anderem auftreten:

  • Kältemittelfreisetzung über den Pumpenauslass
  • Belastung oder Schädigung des Pumpenöls
  • Beeinträchtigung der Pumpe
  • zusätzliche Gefährdungen bei brennbaren Kältemitteln

Deshalb:

Kältemittel zuerst mit dem geeigneten Verfahren zurückgewinnen. Erst danach evakuieren.

Besonderheit bei brennbaren Kältemitteln

Bei R290 und anderen brennbaren Kältemitteln müssen Rückgewinnungsgerät, Behälter, Schläuche und Arbeitsbereich für die vorgesehene Tätigkeit geeignet sein.

Zusätzlich sind die Gefährdungen des Arbeitsbereichs zu beurteilen.

Dazu gehören insbesondere:

  • mögliche Gasansammlungen
  • Lüftung
  • Zündquellen
  • geeignete Gasüberwachung
  • Herstelleranforderungen

Die Rückgewinnung ist hier Teil des Sicherheitskonzepts und nicht nur ein Umwelt- oder Servicevorgang.

Nach der Rückgewinnung nicht sofort öffnen

Bevor ein Bauteil geöffnet oder getrennt wird, muss geprüft werden, ob der betreffende Bereich wirklich sicher drucklos ist.

Dazu gehören:

  • Druck an geeigneter Stelle kontrollieren
  • mögliche abgesperrte Teilvolumen beachten
  • Druckausgleich abwarten
  • bei Bedarf weiteres Kältemittel zurückgewinnen
  • Arbeitsverfahren für das betreffende Kältemittel anwenden

Erst dann darf der Kreislauf entsprechend der vorgesehenen Arbeitsanweisung geöffnet werden.

Typische Fehler

„Die Monteurhilfe zeigt 0 bar. Also ist kein Kältemittel mehr vorhanden.“

Nicht zwingend.

Kältemittel kann aus Öl oder aus anderen Anlagenbereichen nachströmen.

„Ich ziehe das Restkältemittel einfach mit der Vakuumpumpe heraus.“

Nein.

Rückgewinnungsgerät und Vakuumpumpe erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

„Der Behälter hat noch Platz. Also kann ich weiterfüllen.“

Nicht ausreichend.

Maßgeblich ist die zulässige Füllmasse des Behälters.

„Pump-down und Rückgewinnung sind dasselbe.“

Nein.

Beim Pump-down wird Kältemittel innerhalb der Anlage verlagert. Bei der Rückgewinnung wird es aus der Anlage in einen externen Behälter überführt.

Entscheidend ist die richtige Reihenfolge

Vor einer Reparatur am geöffneten Kältemittelkreislauf gilt:

Kältemittel identifizieren → sicher zurückgewinnen → Restdruck prüfen → Kreislauf bearbeiten → prüfen → evakuieren → nach Masse befüllen → Funktion und Dichtheit kontrollieren.

Kurz zusammengefasst

  • Rückgewinnen entfernt Kältemittel aus der Anlage.
  • Evakuieren entfernt anschließend Luft und Wasserdampf.
  • Eine Vakuumpumpe ist kein Rückgewinnungsgerät.
  • Rückgewinnungsbehälter müssen zum Kältemittel und zur Tätigkeit passen.
  • Die zulässige Behälterfüllung muss eingehalten und mit einer Waage überwacht werden.
  • Flüssige Kältemittelanteile lassen sich schneller zurückgewinnen als Dampf.
  • Nach dem Abschalten kann der Anlagendruck wieder ansteigen.
  • Im Öl gelöstes Kältemittel kann nachträglich ausgasen.
  • Abgesperrte Anlagenbereiche müssen berücksichtigt werden.
  • Bei brennbaren Kältemitteln gelten zusätzliche Sicherheitsanforderungen für Gerät und Arbeitsbereich.
Informationsstand 08/2026